Friday, March 6, 2026

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – an diese berühmte Zeile aus dem Gedicht „Stufen“, von Hermann Hesse vor über 80 Jahren verfasst, muß ich denken, wenn ich hier ein bittersüßes Update poste. Nach über 16 Jahren unabhängiger Forschung und Lehre an der Fakultät Physik der Universität Regensburg läuft meine Heisenberg-Stelle und damit mein letzter befristeter Hochschulvertrag aus.

Zu den Jahren in Regensburg gehörten das Emmy-Noether-Stipendium der DFG, die Projektleitung in zwei Sonderforschungsbereichen (SFB) und einer Graduiertenkolleg (GRK), ein erfolgreicher Großgeräteantrag, die Habilitation, der Walter-Schottky-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und das Heisenberg-Stipendium der DFG mit positiver Evaluation. Dazu habe ich eigenverantwortlich 7 Doktoranden und 27 Master- oder Diplomstudenten betreut und Vorlesungen für Bachelor- und Masterstudierende entworfen und abgehalten. Die Drittmittel aus meinen Förderanträgen an der Universität Regensburg belaufen sich auf insgesamt ca. 2,6 Mio. €; davon entfielen 2,1 Mio. € auf Arbeiten ausschließlich innerhalb meiner Forschungsgruppe, der Rest anteilhaft auf größere Kooperationen.

Im Laufe der Jahre hat meine Forschungsgruppe in Regensburg unter anderem erfolgreich ultrareine Kohlenstoffnanoröhren-Bauelemente für Elektronik und Nanoelektromechanik entwickelt, koplanare supraleitende Elektronik mit hohen Qualitätsfaktoren und Millikelvin-Mikrowellenmessungen aufgebaut, Kohlenstoffnanoröhren in komplexe Bauelemente übertragen, das erste Mikrowellen-Optomechanik-Experiment mit einer Kohlenstoffnanoröhre durchgeführt und Coulomb-Blockade-Spektroskopie von MoS2-Nanoröhren gemessen.

Das Schwierigste an der Zeit in Regensburg war, daß ohne unbefristeten Vertrag die Einwerbung weiterer Fördermittel und die unabhängige Entwicklung von Kooperationen nur stark eingeschränkt möglich waren. Gleichzeitig baut man ein komplexes Experiment auf und entwickelt modernste Techniken ohne klare Perspektive. Und während das mentale Modell, daß jemand unterhalb der Professorenebene ein unabhängiger Arbeitsgruppenleiter sein und sich in akademischer und beruflicher Hinsicht nachhaltig weiterentwickeln kann, in der Physik in Regensburg nicht wirklich existiert, wird genau dies von den Gutachtern der verschiedenen Förderprogramme verlangt.

Dank der hochkarätigen DFG-Förderung war ich nie wirklich "akademisches Prekariat". Trotzdem unterstütze ich voll und ganz Initiativen wie PD Prekär und #IchBinHanna, die versuchen, die Situation von Forschern ohne unbefristete Stelle oder Professur in Deutschland zu verbessern. In der experimentellen Physik ist ein unbezahlter Privatdozent, der allein zu Hause arbeitet, natürlich undenkbar.

Forschung und Lehre an der Universität sowie die Arbeit mit Studierenden, der Aufbau einer Forschungsgruppe, die Herstellung von Quantenbauelementen und entsprechende komplexe Messungen haben mir sehr viel Spaß gemacht. Mit dem "geregelten Herunterfahren" der Arbeitsgruppe werden noch ein paar Studenten ihren Abschluß machen, und vielleicht werden auch noch einige Resultate als Papers eingereicht; mein Büro habe ich allerdings schon geräumt. Mein Dank gilt allen, die mich unterstützt haben, insbesondere auch Pertti Hakonen und Milena Grifoni. Dann ist es aber demnächst wohl Zeit für ein Feuerchen aus Vorlesungsskripten, und dafür, hinaus in die Welt zu ziehen und sich mit etwas völlig Neuem zu beschäftigen. Was, von Überraschungen abgesehen, höchstwahrscheinlich nichts mehr mit Physik oder einer Universität zu tun haben wird. Zum Glück bin ich Single und habe soweit keine Familie oder Kinder...

Zeit für eine Auszeit - und für eine Weltreise.



 

 

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